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Tasmansiche See am Hamilton Gap

Bye Bye Aotearoa

Die Māori auf ihren Wakas grüßen zum wiederholten Mal auf dem Buckel vor Manukau in Richtung Norden und wir steuern Hamilton Gap an der Tasmanischen See an. Auf der Karte erkennt man dort eine Bucht mit Wiese. Da können wir an Silvester stehen. Erst war Eva nicht so begeistert, aber da war ein ganz munteres Leben vor Traumkulisse. Schnell war das Eis gebrochen. Wie in Piha auf der nördlichen Seite der Bay Manukau Harbour ist der Strand hier aus schwarzem Sand. Der letzte Sonnenuntergang im alten Jahr. Happy 2025 🥳

Es ist wunderschön hier. Die nimmermüde See, die ohne Unterlass Wellen an Land spült, die Spiegelung der Felsen im Wasser, der Wind und die saubere Luft. Am Strand Rugby spielende Māori und Polynesier, und Kiwis mit Kindern und Hunden, die auf der größten Düne surfen gehen. Außerdem sehr viele chinesische Angler in Gruppen, 10-15 Personen, jeder eine Angel, verteilt entlang der Küste. Über Nacht. Andere werfen mit größeren Drohnen lange Fangleinen weiter draußen im Meer aus. Am Land steht die Angel mit elektrischem Aufroller. Das ist einfacher.

Im Übrigen ist das hier der repräsentative Querschnitt der neuseeländischen Bevölkerung. So ungefähr ist die Verteilung: ca. 69% Europäer, knappe 15% Māori, 9% Asiaten und ungefähr 7% Polynesier. Dass es so genau hier passt, liegt wahrscheinlich an der Nähe zu Auckland. Sonst im Land war das eher einseitiger.

Thilo haben wir schon ins Herz geschlossen, darum besuchen wir ihn ein letztes Mal. Bei ihm auf dem Berg putzen wir wieder mal innen und außen. Und wir gehen mit einem Badedampfer schnorcheln an den Poor Knights Islands. Angeblich einer der Top10 Dive Spots weltweit. Trotz Wetsuit war das ganz schön kalt. Die Kiwis haben so getan, als wäre die Temperatur edel. Aber ich hab sie beobachtet, die haben auch elend gefroren.

Man schnorchelt durch riesige Fischschwärme, da gibt es ja einige Typen Fisch. Die Baracudas im Film kamen erst, als wir wieder draußen waren, aber das war beeindruckend, den Schwarm vom Boot aus anzuschauen. Dann gibt's Höhlen zum Reinschwimmen, auch nett, überall Fische und Schalengetier auf dem Grund. Nur die Sicht war etwas trüb wegen Seegang in den vergangenen Tagen, was der guten Laune aber keinen Abbruch tat.

Bevor wir auf die Südinsel sind, haben wir das Visum für Australien beantragt. Das kam jetzt auch und macht uns wieder klar, dass die Zeit hier abläuft. Ein letzter Besuch in der deutschen Bäckerei in Whangārei, Brezeln und Sauerkraut, alles haben wir aufgekauft, damit wir bis zum Abflug davon zehren können. Und schließlich haben wir aber wirklich zum letzten Mal Thilo getroffen, beim Griechen, wo denn sonst. Er hat noch ein Päckchen dabei gehabt.

Wir hatten in Nelson (Südinsel) zwei Kiwis kennengelernt. Denen hat Eva die Ohren vollgeheult, dass wir aufgrund verschiedener Umstände die Mitgliedschaft im NZMCA, der NZ Motor and Caravan Association, nicht beantragen konnten. Das ist die herrschende Camper-Sekte mit all ihrem Regelwerk. Mit der Mitgliedschaft kann man deren Stellplätze im ganzen Land für wenig Geld nutzen. Und sie entlohnen ihre treue Kundschaft mit dem Mitgliedsadler, auf dem man seine Mitgliedsnummer aufkleben kann. Der hätte sich auf dem Unimog gut gemacht. Jedenfalls hatten Fiona und Ray noch einen, den sie uns geben wollten. Aber in Taupo (Nordinsel). Als sie zu Hause waren, haben sie den Sticker zu Thilo geschickt, und Eva dafür die letzte Flasche georgischen Saperavi aus unserem Sortiment nach Taupo. Love it.

Noch ein Foto mit der kleinen Schwester, Thilos Landcruiser, und ab nach Auckland. Dort landen wir am Ende auf dem Takapuna Beach Camping, als klar wurde, dass das Boot am 20.01. voll ist. Aber am 29.01., da ist was frei. Und weil unser Visum am 24.01. abläuft und unser Flug geht, passt alles genau ins Zeitfenster und wir können Möggle am 23. in die Hände dieser Haie übergeben. Der Preis hat sich nämlich auch geändert, weil wir einen ex-military Campervan fahren. Huuuh. Und jetzt? Die Botschaft ist, dass wegen Sanktionsregeln andere Papier-Prozesse durchlaufen werden müssen und am Ende kostet unser kleiner Raketenwerfer eben 30% mehr. Frage mich, welche ausländische Macht durch den Besitz unseres Unimog in irgendeiner Form militärisch profitieren würde, auf dem Weg von NZ nach AUS.

Aber jammern bringt ja bekanntlich nix und darum vertiefen wir uns in Reingungstätigkeiten, damit bei der Biosecurity Inspection in Australien nichts anbrennt. Wuusaa.

In Auckland ist am Wochenende Sail GP, Segel-Formel 1. Auf dem Campingplatz werden wir immer wieder angesprochen, mitzukommen. Da ist was los, 12 Nationen mit Foil-Booten, die bis zu 100 km/h schnell segeln können. Wir sind vor Ort, aber die Plätze, an denen wir sind, naja. Am nächsten Tag stehen wir auf einer Mole, da sieht man viel. Seglerisch anspruchsvoll, richtig cool, die Australier haben das überlegen heimgefahren und die Deutschen hatten Probleme.

Inzwischen haben wir auch die Bestätigung für die Überfahrt bekommen. Was fällt auf? Alles estimated. Cheers.

Hoffen wir jetzt mal, dass der Unimog sauber ist. Man könnte ohne Fett- oder Öl-Würze auf der Achse essen. Statt Teller. Ist doch was. Und innen kein Moskito mehr an der Decke, alles top. Aber wer will, der findet natürlich auch was. Fingers crossed.

Dann ist Zeit, um zum Hafen zu kommen, 10:30am ist Abgabe. Endlich.

Unsere letzte Nacht in Auckland endet und irgendwie lässt die Zeit gar keinen Raum für einen großen Abschied. Wir gehen nochmal in die Mezze Bar, super Café von türkischen Betreibern, und dann müssen wir los zum Flughafen. Dorthin gab es Schienenersatzverkehr, die Bahn wird saniert. Ich musste bei der Fahrgasterfassung aushelfen. Analog. Das war spaßig. Am Flughafen bezwingen wir zum letzten Mal das Nationalgericht, unterstützt von Emerson's Pilsener.

Am Schluss bleibt der Versuch, unsere schöne Zeit hier in wenigen Worten zu beschreiben. So lange waren wir in keinem anderen Land. Es ist sehr nahe dran am regulierten Europa, strukturell wahrscheinlich gleich und landschaftlich zum großen Teil. Dort, wo die Landschaft geschützt wird, ist sie beeindruckend vielfältig. Genau das wollten wir, damit Eva sich nach ihrer OP wieder einfinden kann in unsere Reise und sich keine Sorgen um wildes Getier machen muss.

An der weltoffenen Art der Neuseeländer kann man sich ein Beispiel nehmen, hilfsbereit und hands on, neugierig und gastfreundlich. Viele haben den Unimog bewundert, und schwupp, hatte man ein lustiges Gespräch. Bei den Kontakten von außen mit NZ (Visum, Flug, Unterkunft buchen) war Begrüßung und Verabschiedung stets auf Māori. Da dachte ich, dass die Sprache mehr in der Bevölkerung verwurzelt wäre, dass sie von mehr Kiwis gesprochen wird, außer nur durch die Verwendung von ein paar Substantiven. Selbst viele Māori können sie nicht mehr oder nur unzureichend. Das ist schade, weil Sprache doch auch identifikationsstiftend ist.

Und am Schluss fragt man sich dann noch, ob das eine gute Idee war, hierher zu verschiffen. Die Antwort überlegen wir uns noch. Unsere Entscheidung in Thailand bereuen wir jedenfalls nicht: gleicher Weg zurück, oder ans Ende der Welt?

Good on you, Aotearoa.