Weil wir einen weiteren Monat hier sind, wollte Eva unbedingt noch die Gletscher Franz Josef und Fox auf der Südinsel sehen. In zwei Tagen sind wir von Whangārei in Wellington und setzen auf die Südinsel über. Die DOC Campsite in Momorangi Bay ist schon gut gefüllt, es sind nur noch wenige Tage bis zum Ferienstart in Neuseeland.
Wir sind jetzt erstmal zum Farewell Spit unterwegs, eine bogenförmige Sandbank am nördlichen Ende der Südinsel. Und ich muss sagen, das ist mal was. Man hat fast das Gefühl von Einsamkeit und die Küste ist vielseitig schön. Am Wharariki Beach begrüßt uns ein Pfau und die Felsen vom Microsoft Screensaver stehen im Meer. Leider ist nicht Ebbe, sonst wären wir auch durch's Bild gejoggt. Weiter östlich liegt der Farewell Spit. Den kann man zu Fuß oder im 4x4 Bus begehen. Aber es ist nichts los und man ist vollkommen allein. Nur habe ich mich nicht getraut, bei dem Wind die Drohne bis ans Ende zu fliegen. Typisch Amateur 🙄
Als wir in Auckland waren, haben wir noch die zwei Lager vom Querlenker hinten wechseln lassen. Die Folge war, dass das Anhängersteuerventil nach der Reparatur undicht war, obwohl das gar nicht berührt wurde. Angst, was geht als nächstes vom Anschauen kaputt? Die Werkstatt hat den defekten Dichtring ersetzt.
Und jetzt, hier auf der Südinsel, wo Teilebeschaffung zum Lebenswerk wird, fängt das Ventil wieder an, Luft zu verlieren. Also vom Spit nach Nelson und nach einem Reparatursatz fahnden. Aber das ist hoffnungslos. Dann ist es jetzt so, beim Fahren ist das unkritisch, am Morgen sind dann eben die Druckluftbehälter leer. Vorsorglich bestelle ich zwei Reparatursätze in Europa und schicke sie zu Thilo.
Positiv ist, dass wir dadurch auch ein paar Tage bei Traumwetter ungestört auf einem leeren Platz stehen, und mit der Reinigung der Karre weiter machen können.
Dann geht's weiter bis Reefton. Da scheint man auch immer durchzukommen. Schrullig, aber liebenswert. Früher wurde in den Tälern in großem Stil Gold aus einem Quarzriff abgebaut. Und die erste elektrische Straßenbeleuchtung der Südinsel wurde 1888 in Betrieb genommen. Lange her... Der Weg führt uns weiter entlang der Westküste über Hokitika bis nach Franz Josef.
Den Namen hat der Gletscher vom deutschen Forscher Julius von Haast (19.Jh.), dafür wurde er dann vom österreichischen Kaiser zum Ritter nobilitiert. Dichte Wolken hängen über dem Gletscher. Unten gibt es einen Weg entlang der Moräne. In der Ferne kann man oben das Eis erkennen. Der Gletscher hat wie viele andere durch die Erderwärmung erheblich an Eis verloren. Am Roberts Point ist man näher dran. Wir nehmen also die 12 km auf uns. Der Weg ist super vielseitig, Brücken, Treppen, Felsen, alles da. Zwischen Wolkenfenstern kann man gut die Gletscherzunge erkennen. Awesome. Auf dem Rückweg regnet es dann in Strömen. Wenigstens ein Grund, mal wieder die Heizung anzumachen, um die Klamotten zu trocknen.
Das Wetter bleibt beständig schlecht. Weiter nach Fox Glacier auf einen Campingplatz. Wir wollten einen eher ruhigen Platz. Den gab's neben dem Spielplatz. Humor haben sie ja.
Am nächsten Tag ist schönes Wetter, der Weg die Moräne entlang ist eher kurz. Es geht durch Regenwald und das ist dann ein schöner Kontrast. Regenwald und im Hintergrund die Gletscherzunge. Hubschrauber bringen in kurzen Intervallen Touristen auf den Gletscher.
Wir nutzen den Sonnenschein, um noch zum Lake Matheson zu fahren. Der liegt unweit vom Gletscher in der Ebene vor dem Mout Cook/Aoraki von Westen aus gesehen. Und da kann man (remember Church of the Old Shepherd) das meistfotografierte Motiv NZs nachstellen, der sich im See spiegelnde Berg. Entsprechend bevölkert ist der See. Aber der Wind macht allen Bemühungen einen Strich durch die Rechnung. Kräuselndes Wasser und Wolken vor dem Gipfel, keine Spiegelung von nichts. Auch der Bilderrahmen bleibt leer, nur der Teller nicht. 2x Carrot cake, einer pro Person. Das ist die challenge of the day. Mager gerät der nie hier, das sind sichere 2.000 Kalorien.
Verschmitzt lächelnde Oppas haben uns immer wieder von der Jackson Bay erzählt. Statt zum Haast Pass links, geradeaus weiter am Meer entlang. Und vom Restaurant dort, The Craypot, eher Imbiss-Bude, aber mit Crayfish, also Langusten. Gut, Mücken gäbe es auch. Viele.
Kurz vor Weihnachten hat der Imbiss um 3pm geschlossen und sich für 4 Tage in die Weihnachtspause verabschiedet. Stellen wir um 4:40pm fest. Käse aber auch. Ich will Weihnachten in der Pampa stehen, also fahren wir ein paar Kilometer am Fluss entlang und stehen dann auf einem Geht-so-Platz. Auf eine Insel im Fluss habe ich mich nicht getraut, weil es so geschifft hat. Viel mehr muss man nicht mehr sagen. Nachts kamen die Moskitos durch alle Ritzen, ein nicht enden wollender Alptraum. Um 5:30am sind wir weg. Worst Christmas ever!
Über den Haast Pass fahren wir nach Wanaka und weiter nach Twizel. Vor Twizel habe ich den Eindruck, der Unimog schwimmt ein wenig. Muss ich kontrollieren. Eine halbe Stunde später tanken wir, ich vergesse die Kontrolle, und noch im Ort wird das Schwimmen stärker. Wir halten auf einem großen Kiesplatz an. Die Radmuttern haben sich gelöst und der Reifen hängt halb auf den Radbolzen. Auweia.
Kalte Schauer laufen uns über den Rücken, Wagenheber raus, Karre abstützen. Dann Rad wechseln. Während des Reifenwechsels regnet es, klar. Zum Glück sind die Radbolzen nicht verbogen, aber die Gewinde sind geringfügig ramponiert und die Muttern kaputt. Da hatten wir glücklicherweise noch alte mit, sodass der Reifenwechsel schnell ging. Ein Typ kommt vorbei, von ein paar Campern, es ist Alessandro, ein Italiener, den wir im September in Kerikeri getroffen haben. Aber jetzt war uns leider nicht nach feiern. Wir haben uns 20 Kilometer weiter drei Tage unter einen Baum gestellt, um das Erlebte sacken zu lassen.
Über 100Tkm sind wir gefahren, wechseln alle 6Tkm die Reifen eine Position weiter, immer checke ich nach 300km die Muttern mit dem Drehmomentschlüssel. Rätselhaft. Schlimmer ist, wo bekommen wir jetzt eine neue Felge her? Bloß keinen Platten ab jetzt. Und die Radbolzen, bekommen wir die wenigstens ohne Probleme? Ich nehme es vorweg: 3x nein. Jetzt prüfe ich alle 30, dann 60, dann 100 km alle 24 Schrauben.
Wir beschließen, trotzdem über den Arthurs Pass zurück zu fahren. Teile zu besorgen ist hier unmöglich. Also nochmal vorbei am Lake Tekapo mit seiner Church of the Old Shepherd, diesmal total überfüllt aufgrund der Ferienzeit, weiter nordwärts bis Darfield.
Auf dem Weg zum Arthurs Pass halten wir unterwegs bei den Castle Hill Rocks, die für die Māori eine spiritistische Bedeutung haben. Wenige Kilometer weiter kommt man nach Arthurs Pass. Drei Wanderungen sind machbar, aber für mich sind es dann doch zu viele Menschen. Nach einer zu einem Wasserfall streiche ich die Segel. Da musste man für ein Foto Schlange stehen. Aber die Gegend ist lieblich im warmen Sonnenlicht und richtig schön. In Nelson ist der Campingplatz inzwischen zu einem Dorf angewachsen und wir ergattern gerade noch einen Platz. Tags darauf ist auch schon wieder Schluss für uns auf der Südinsel. Langsam bewegen wir uns Richtung Picton und nehmen abends die Fähre nach Wellington.
Jetzt aber wirklich Farewell. Beim zweiten Mal kam uns alles viel bekannter vor. Es wird wirklich Zeit, dass wir Neuseeland verlassen. Aus drei sind inzwischen acht Monate geworden. Stand heute müssen wir den Unimog am 15.01. in Auckland am Hafen abliefern. Wir sind gepannt, welche Volten die Verschiffung noch schlagen wird.