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Schicksalsberg im Tongariro Nationalpark

Tongariro - Whangārei - Tutukaka

Zum ersten Mal auf unserer Reise wollen wir tatsächlich eine für den Rückweg aufgehobene Sache verwirklichen, den Tongariro Crossing, einen von neun Great Walks in Neuseeland. In Ngati Toa ist ein Freecamp auf Māori-Land. Das liegt am Fluss und wie bisher auch, haben wir dort zuverlässig einen Platz zum Schlafen gefunden. Und am Foxton Beach waren wir schon auf der Hinfahrt, wie wir festgestellt haben, nachdem wir auf den Parkplatz gefahren sind. Wir machen einen Strandspaziergang, und im Sand liegen blaue, aufgequollene Quallen. Es sind Man 'o War oder die portugiesische Galeere, auch floating terror genannt. Ihr Gift verursacht Ausschläge und Schmerzen. Ein Grund mehr, nicht in der Tasman See zu baden. So einladend wirkt die sowieso nicht hier oben.

Auf dem Weg zum Tongariro liegt Steves Farm. Wir haben mit ihm gechattet, ein Spontanbesuch geht klar. Hier haben wir vor ein paar Monaten Farmsitting gemacht. Mit Hunter und Simba und den ganzen Tieren. Und Albert und Erna, den beiden Schafen, die uns so ans Herz gewachsen sind. Rambo, der Hammel, bekommt erstmal Kopfkraulen, Gwendolin oder Cornelius, was sind schon Namen, ist gewohnt gierig, klar, und dann füttern wir die beiden Cuties. Unterdessen picken die Wachteln und Simba hat den Unimog für sich akzeptiert. Hach.

Wir steuern das Dorf National Park an. Das heißt wirklich so und ist ein Retortenort als Ausgangspunkt für Aktivitäten rund um den Tongariro. Da kann man auf einem Camper-Fernfahrer-Parkplatz umsonst übernachten. Jedenfalls klappt es dann auch am nächsten Morgen mit dem Bus zum Startpunkt. Da der Weg von A (Start) nach B (Ziel) führt, steht man am Ende in B und will nach C (Karre), weil es natürlich nur unter erheblichen Schwierigkeiten möglich ist, von B nach A zu kommen. Also parkt man dort erst gar nicht, sondern gleich in C. Und da gibt's die Tickets, von C nach A mit Abholung in B zur definierten Uhrzeit. Alles klar?

Schnell stellt sich heraus, dass die natürlich alle unter einer Decke stecken. Jeder Veranstalter im Ort verkauft Tickets für die Busfahrten, aber am Ende fährt uns alle ein Kiwi, der aussieht wie Lemmy. Der von Motörhead natürlich. Ich finde, bei dem Einstieg kann's doch nur ein Traum werden. 20,2 km, das ist gar nicht so wenig. Geht ja immerhin den Berg hoch. Viele laufen nur zum Gipfel und wieder zurück, noch mehr machen aber den Tongariro Crossing. Für Vorsaison war es schon sehr lebhaft, die Landschaft traumhaft. Hier waren bestimmt auch Frodo Beutlin und Gandalf, am Schicksalsberg?

Nach ganz oben war es schon ne Plackerei, viel Geröll und loses Gestein. Aber das ist ja Teil des Spiels. Und wir wurden mit jedem Meter belohnt mit toller Vulkanlandschaft und Seen in irren Farben. Klar war im Klo am Wegesrand wieder einer der Aufkleber aus 'The Länd' platziert. Hoffentlich kommt da niemand mal auf die Idee, sie auf Kosten von Baden-Württemberg wieder entfernen zu lassen. Das wäre ein Lebenswerk.

Der Weg runter war easy, es wurde hinten raus dann aber doch lang, aber Entspannung pur, die Schrittzahl des Tages geschafft und bestimmt kommt gleich Lemmy um's Eck mit dem Bus. Great Walk, great experience.

Ende Oktober haben wir bei den Schiffsmaklern Termine für die Überfahrt von Auckland nach Australien im Dezember angefragt. Anfang Dezember wollen wir übersetzen, der 5., 15. und 26. stehen zur Auswahl. Wir wählen den 15., Überfahrt 3-4 Tage nach Brisbane. Klappt alles wie angeboten, bekommen wir den Unimog vor Weihnachten übergeben. Das ist best case. Für Australien müssen wir alles picco bello sauber putzen. Außen und innen. Und alles reparieren oder in Ordnung bringen, damit wir in Australien den TÜV bekommen. Außerdem muss das Fahrzeug ca. 5 Tage vor Abfahrt am Hafen abgegeben werden.

Auf den bereits bekannten Straßen fahren wir nach Auckland. Da wollen wir versuchen, Roststellen an den Türscharnieren reparieren zu lassen. Das hat der TÜV in NZ beanstandet. Dazu braucht es einen Panel beater (Karosseriespengler). Wir haben einige abgeklappert, aber keiner wollte das vor Weihnachten noch machen.

Jetzt kommt Thilo ins Spiel. Der wohnt hinter Whangārei, in der Nähe von Tutukaka auf dem Berg. Da ist es schön und mit Thilo immer lustig. Und er kennt einen panel beater, Mike in Ngunguru. Er hat uns dort schon angekündigt.

Einen Tag müssen wir mit Grillen bei Thilo überbrücken. Dann fahren wir bei Mike auf den Hof, bauen eine Tür aus und er nimmt sie in die Werkstatt mit. Unterdessen nehmen wir seine Kajaks und vertreiben unsere Zeit in der Lagune von Ngunguru. Abends ist die erste Tür fertig und grundiert. Einen Tag später das gleiche Spiel und am Abend war alles erledigt. Cool.

Wir buchen uns am Ausgangspunkt unserer Neuseeland-Reise, in Whangārei auf dem TOP10 Campingplatz, ein. Hier können wir lackieren, reparieren und mit dem Putzen anfangen. Außen und innen. Und wir wechseln die Reifen durch, jeder Reifen eine Position weiter.

Jetzt bekommen wir von dem Makler den Rat, besser nicht vor Weihnachten zu verschiffen. Aufgrund der Feiertage würde die Auslieferung des Unimogs unkalkulierbar. Da Weihnachten auch Beginn der Ferienzeit ist, lassen wir uns auf den 20.01.2025 ein. Alles putzen fast umsonst. Bleibt nur die Freude am neuseeländischen Wohnmobilbau in pink, die Vorfreude auf Weihnachten, Stollen und Whangārei by night.

Einen Monat gammeln in Northland wäre jetzt eher mein Favorit gewesen. Buchteln und angeln und chillen. Aber Eva möchte die Gletscher doch noch sehen, wenn wir noch 4 Wochen haben. Ich habe dann die Angel wieder verstaut und schon mal das Motorenöl gecheckt.