Südwestlich von Sydney liegt im Landesinneren die Hauptstadt Canberra, eine Planstadt aus dem beginnenden 20. Jahrhundert. Sozusagen die lachende Dritte aus dem Streit der Städte Sydney und Melbourne um den Anspruch als Hauptstadt Australiens. Etwas mehr als 450.000 Menschen leben hier. Parlament, Senat und Regierung steuern sowie staatliche Bibliotheken und Museen repräsentieren von hier aus die australische Demokratie.
Paul hat uns empfohlen, auf dem Messegelände zu campen und mit der Bahn in die Stadt zu fahren. Leider muss ein Farmermarkt in den mit öffentlichen Verkehrsmitteln sonntags nur schwer erreichbaren Outskirts besichtigt werden, sodass doch der Unimog durch die Hauptstadt rumpelt, die auf den ersten Blick eher ländlich wirkt. Also sein Terrain. Viel Fläche und überwiegend Einfamilienhäuser in den Vororten und ein in geometrischen Formen angelegtes Zentrum mit den Regierungsgebäuden auf dem Capital Hill.
Der Farmer Market ist die erwartete Hinrichtung, aber dafür erfreut die National Gallery of Australia doch sehr. Gut sortierte und kommentierte Abteilungen mit indigener, australischer und internationaler Kunst präsentiert in einem großzügigen, modernen Gebäude. Außerdem befindet sich hier die weltgrößte Sammlung von Kunst der Aboriginals und Torres Strait Islanders. So wird in Australien die Gruppe der sogenannten First Nation definiert. Ein Balance-Akt des Zusammenlebens. Die Schau ist wirklich eindringlich und bewusstseinserweiternd und einen Besuch wert.
Auf dem Capital Hill stehen die Regierungsgebäude, Parlament und Senat. Wie das Museum kostet auch dieser Besuch keinen Eintritt. Das ist sehr zuvorkommend. Und der Blick auf den Nukleus der Administration des flächenmäßig fünftgrößten Landes der Erde und Viertplatzierten im Medallienspiegel der Olympischen Spiele 2024 in Paris erzeugt doch Respekt.
Der eigentliche Grund, warum wir nach Canberra gefahren sind, war Ben, oder Mog Central, sein Laden. Name = Programm, hier steht der Unimog im Mittelpunkt. Unser Problem: die Handbremse verliert krass Luft, steht man an der Ampel am Berg, braucht man bei grün seine Zeit, bis die Bremse wieder löst. Handbremsventil mit Problem, aber wo will man das auseinander bauen und auf Hilfe hoffen, falls was in die Bütt geht? Ben hatte ich angeschrieben und er sagte, ein passendes Ventil zu haben. Wir finden seine Halle etwas außerhalb in Queanbeyan. Er zeigt mir das Ventil, aus Brasilien, Wabco, geht halt gerade umgekehrt auf und zu, aber wen stört das?
Ich frage, ob ich es auf dem Hof einbauen kann, und 5 Minuten später ist in der Halle ein schönes kühles Plätzchen für uns freigräumt. Der Aus- und Einbau ist eigentlich ganz einfach. Drei Drukluftleitungen abschrauben, die Befestigung lösen, und das neue einbauen. Etwas PLastikverkleidung musste noch ab, damit es durch die Bodenplatte passt, und klar, die Leitungen saßen fest. Der Mechaniker hat mir dann nochmal die Bedeutung von beherzt bei Hammerschlägen gezeigt und schwupp, waren die Leitungen ab, das neue drin und die Bremse hielt wieder die Luft.
Hinter einem Rolltor lag das Teile-Außenlager, wo wir noch zwei schicke, leicht angeranzte Original-Scheinwerfergitter gefunden haben. Genau unser Style. Zum Abschied hat er uns noch ein Roadbook aufgeschrieben, wie wir schön durch den Kosciuszko National Park fahren können.
Fazit: wer mit seinem Möggle in Australien ein Problem hat, bei Ben ist man gut aufgehoben 😊
Der Kosciuszko National Park liegt südwestlich von Canberra und ist nach dem gleichnamigen Berg, Mount Kosciuszko, dem mit 2228 m höchsten Australiens in den Snowy Mountains, benannt. Klima und die Vegetation sind alpin. In Thredbo gibt es eine einladende Skistation mit Sesselliften, und wir nutzen die Gelegenheit, auf dem Dead Horse Gap Track zu einem Aussichtspunkt auf den Mount Kosciuszko zu wandern.
Eva fährt uns weiter durch die Berge und wir kommen zufällig am Tom Groggin Campground vorbei. Wie überall in den Nationalparks kann man nummerierte Plätze online buchen, außer dem Platz gibt's da nichts, ok, die Naturtoiletten. Ab und an kommt ein Ranger vorbei und in der Regel sind die Plätze fast vollständig ausgebucht. In der Regel aber auch fast leer, was nach Aussage der Aussies unter anderem daran liegt, dass viele zu Beginn der Buchungssaison sicherheitshalber reservieren, aber am Ende selten auftauchen.
Sei's drum, viel Platz für uns, ganz wenige Menschen, dafür neugierige Känguruhs ohne Ende, Emus, Rosakakadus, Wombats, noch mehr Vögel und vieles andere Getier mehr.
Die Berge hier sind toll, durch Eukalyptuswälder geht es den Berg hoch, oben karge Alpinlandschaft mit Skiresorts und Liften, und dann wieder runter in die dampfende Suppe der Eukalyptuswälder. In Bright machen wir Halt und bekommen gleich gute Tipps, wie man sich viel Strecke sparen kann, wenn man den direkten Weg über die Berge nimmt. Genau unser Ding, und unterwegs im Wald treffen wir auch mal eine Schlange, eine Red belly black snake. Fast wären wir drüber gefahren, aber das Tierchen ist wohlbehalten im Wald verschwunden.
Bald hat uns die Zivilisation wieder, wir wollen ja nach Melbourne. Allgegenwärtig die resoluten Rentner, die in der Nähe von Schulen aufmerksam den Verkehr an den Zebrastreifen regeln...
Wir sind im Großraum Melbourne angekommen, der Stadt der Kultur, des Sports und der Lebensfreude, wie man sagt. Aufgrund von Kartrennen, Festivals und Fussball ist jede Menge los an dem Wochenende. Auf einem Big4 in der Nähe einer Straßenbahnstation bekommen wir noch einen Platz für ein paar Tage. Na also.












































































